Samstag, 19. März 2016

Etappe 6: Bergauf top, bergab flop

Felix berichtet: Das Cape Epic fordert seine Opfer und so war gestern einer der schwärzesten Tage auf dem Rad für mich. Daher hier eine kurze Bestandsaufnahme: Arme und Beine sind zerkratzt von den Dornenbüschen, die immer wieder in die Trails hängen. Mein Magen verweigert die Nahrungsaufnahme und mein Kreislauf schaltet noch während der gestrigen Etappe auf Notversorgung. In meiner Lunge trage ich den Staub eines ganzen Kontinents mit mir herum. Die Haut hängt mir in Fetzen von den Händen. Bei Sebastian ist sie teilweise gar nicht mehr vorhanden und nur der Handschuh trennt die Lenkergriffe vom blanken Fleisch. Ein echtes Problem, wie sich heute noch herausstellen sollte. Aber den anderen Fahrern geht es auch nicht besser. Nur wenige schaffen es, sich im Verlauf des Rennens zu steigern, oder zumindest weniger abzubauen als alle anderen. Somit fahren zumindest alle unter den gleichen Voraussetzungen. Dennoch frage ich mich beim Einschlafen, wie ich den heutigen Tag überstehen sollte und ob wir noch in die Masterskategorie ummelden können. Die dazu erforderlichen 30 Jahre war ich während der fünften Etappe allemal gealtert. Aber der menschliche Körper ist ein Phänomen und so fühle ich mich nach fast neuneinhalb Stunden Schlaf, ich habe mich bereits 19:30 Uhr schlafen gelegt, einigermaßen wiederhergestellt. Mein Schlaf wird nur vom angekündigten Regen unterbrochen, der hin und wieder auf das Zeltdach trommelt. Dennoch bleibt die befürchtete Überschwemmung im Zelt aus und auch die Wolken zeigen sich im Morgengrauen weniger regenträchtig, als es der südafrikanische Wetterdienst angekündigt hatte. Die Temperaturen während der heutigen Etappe, die über knapp 75 km und 2100 Höhenmeter führen sollte, würden auch angenehmer werden, als es in den letzten Tagen der Fall war. So greife ich das erste Mal zum Unterhemd unter meinem Trikot. Doch nicht nur was die Rennbekleidung angeht, sondern auch was unsere Renntaktik betrifft, versuchen wir etwas Neues. Wir vermeiden jegliche Belastungsspitze und rollen recht entspannt auf den ersten Metern. Das bedeutet zwar zunächst die große Gruppe noch vor dem ersten Anstieg ziehen zu lassen, doch wie erwartet haben sich einige unserer Konkurrenten übernommen und schon an den ersten Bergen des Tages sammeln wir zahlreiche Teams wieder ein. Die Taktik scheint aufzugehen. Ich fühle mich so gut wie seit dem Prolog nicht mehr und fahre ein gefühlt recht hohes Tempo ohne jemals übers Limit gehen zu müssen. Die ersten der angekündigten 20 Trailkilometer rollen auch mit dem Hardtail gut, auch wenn der nächtliche Regen die Lehmböden in Schmierseife verwandelt hat. Die sandigen Passagen hingegen fühlen sich griffiger an als im staubtrockenen Zustand. Trotz der flowigen Trails machen sich die ersten Probleme bei Sebastian bemerkbar. Die Blasen an seinen Händen lassen ein festes Zugreifen am Lenker kaum noch zu und so verlieren wir in den Downhills immer wieder Zeit, die wir zuvor in den Anstiegen mühsam herausgefahren haben. Ich fahre fast die ganze Etappe vorn. Nicht weil ich stärker bin, sondern weil es mir gut tut meinen eigenen Rhythmus zu fahren. Wir machen dennoch Boden nach vorn gut und sind nach zwei Dritteln der Etappe auf Position 20 angekommen. Ab hier wird es führ Sebastian richtig hart und wir müssen in den Downhills einige unserer direkten Konkurrenten wieder ziehen lassen. Zwar versuche ich in den Trails etwas zu bremsen, aber irgendwann verlieren wir den Kontakt zu den anderen Teams, mit denen wir zu diesem Zeitpunkt unterwegs sind. Glücklicherweise ist der Weg ins Ziel nicht mehr weit. Sebastian verflucht laut die Streckenbauer, als wir feststellen, dass dieser Weg kein leichter ist, sondern steinig und schwer. (Ich halte das zwar für ein schreckliches Lied, aber hier passt der Text wie die Faust aufs Auge…) War ich es noch der gestern Mitleid bei Sebastian hervorrief, so haben wir die Rollen heute getauscht. Aber irgendwann war sind wir dann auch über den letzten Stein der heutigen Etappe gepoltert und erreichen das Ziel auf Position 24. Wir verteidigen damit knapp Platz 17 in der Gesamtwertung und sind dem Ziel Top 20 wieder ein Stück nähergekommen. Jetzt gilt es für die morgige letzte und, zumindest auf dem Papier, leichteste Etappe zu regenerieren und Sebastians Hand zu verarzten. Dann steht einem erfolgreichen Abschluss unseres Cape Epics eigentlich nichts mehr im Weg … Photo by Ewald Sadie/Cape Epic/SPORTZPICS

Kommentare:

  1. Auch der bestgeschriebenste Tagesbericht lässt immer nur erahnen, was euch dieser 17.Rang kostet. Alles Gute für den Endspurt!!!

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  2. Alles Gute für morgen Jungs. Ebenfalls für die Hände von Sebastian das sie das noch durchhalten. Wir drücken die Daumen.

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  3. Alles Gute für morgen Jungs. Ebenfalls für die Hände von Sebastian das sie das noch durchhalten. Wir drücken die Daumen.

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  4. Eine Meisterleistung bisher, auch wenn sie ihre Opfer fordert !!! Die morgige Etappe überlebt ihr auch noch !!! Alles Gute !!!

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